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Zwischen Heugabel und Hausschlachtung


Stefan Igishan, Lehrer an der GST

Stefan Ighisan schwärmt von Rumänien, dort wo seine Eltern im gelebt haben, bis sie in siebziger Jahren nach Deutschland auswanderten. 2019 ist er mit sechs ehemaligen Schülern der Gewerblichen Schule Tübingen dorthin zurückgekehrt, um in seinen Sommerferien ein zwölftägiges Projekt zu initiieren: Den Ausbau eines evangelischen Pfarrhauses in Trappold/Apold, einem 800-Seelen-Dorf in Siebenbürgen/Transsilvanien. „Dort werden drei Sprachen gesprochen, bis vor dreißig Jahren waren es sogar vier “, sagt Ighisan: Ungarisch, Rumänisch und Romani, die Sprache der Sinti/Roma. Die Sinti sind häufig in die verlassenen Häuser der Deutschen gezogen, die während des kommunistischen Regimes von Nikolae Ceausescu bis Ende der 80er Jahre ihre Heimat verließen. Deutsch wird nur noch von zehn Älteren gesprochen, somit ist die Sprache, nach 800 Jahren, so gut wie ausgestorben.
Zurück blieben auch evangelische Kirchen und Pfarrhäuser, die jetzt als kulturelles Erbe, wieder gepflegt und aufgebaut werden sollen. Stefan Ighisan hat Sebastian, einen Deutschen aus Berlin 2005 kennengelernt. Damals war auf der Walz, drei Jahre ist er nach seiner Schreinerlehre durch halb Europa gezogen. Sebastian hat mit Ighisan Kontakt gehalten und ihn zur Mitarbeit am Projekt motiviert. Ziel ist es, das Pfarrhaus zu einem Ausbildungszentrum auszubauen. Getragen wird die Aktion von CasApold, einem Verein für interkulturelle Aktivitäten.
Während ihres zwölftägigen Praktikums haben die Schüler Teile des Dachs und des Dachstuhls renoviert und das Eingangsportal restauriert.
„Die Schüler wollten gar nicht nur Schreinerarbeiten erledigen, sondern die wollten mauern, ein Fundament gießen oder am Dachstuhl arbeiten“ sagt Ighisan. Gerade darin sieht er die große Chance solcher Projekte: Über den Tellerrand hinausschauen, neue Aufgaben bewältigen und nebenbei eine andere Kultur kennenlernen. „In Appold gibt es nur zwei geteerte Straßen, der Rest sind ungepflasterte Feldwege“, sagt Ighisan. In den Höfen werden immer noch Schweine geschlachtet, obwohl das offiziell verboten ist. Auch der Denkmalschutz werde nicht so eng ausgelegt, dass nur Spezialisten an den Gebäuden arbeiten dürften. „Das ist die große Chance“, sagt er. „Sie können sich beweisen, neues entdecken.“ Übernachtet haben sie 2019 in einer privaten Pension, bekocht wurden sie von der Frau des orthodoxen Pfarrers.
Ighisan träumt von einer regelmäßigen Projektarbeit, bei der auch weitere Gewerke zum Einsatz kommen könnten, etwa Metallbauer und Flaschner.
Auch kulturell hat die Region einiges zu bieten: Schässburg, 15 Kilometer von Apold entfernt, ist der Geburtsort des Grafen Dracula,  eine Stadt mit einer intakten Wehrburg und schönen Mauern und Türmen. Und es gibt noch kleine Abenteuer zu erleben: „Einmal brauchten wir einen Wagen, bei einem Bauern haben wird dann ein Pferdegespann organisiert, aber der Heuwagen war noch beladen. Also mussten die Schüler erstmal mit Heugabeln das Heu in die Scheune bringen. „ Das ist doch das, was in Erinnerung bleibt“. Offenbar hat sich das auch an der Schule herumgesprochen: „Wenn Sie das nochmal machen, komme ich nach meiner Ausbildung mit“, hat er von einigen Schülern der GST gehört. 
Doch dieses Jahr muss das Projekt leider ausfallen – coronabedingt.
 
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