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Nix Stuttgart - Mannheim!



Thilo Wüst wird ärgerlich. „Wo ist das Fahrrad erfunden worden?“ fragt er die 26 VAB-Schülerinnen und Schüler im Mannheimer Technoseum. Stuttgart? „Nix Stuttgart. Mannheim!“ Fahrrad und Auto seien in Mannheim erfunden worden, deshalb auch dieses Museum, das sich besonders der Mobilität widme. Habibullah Rasuli klettert auf die sogenannte „Draisine“, ein hölzernes Laufrad, mit dem Freiherr von Drais 1817 von Mannheim nach Schwetzingen fuhr, angeblich in einer Stunde. Wüst bezweifelt das. „Damals waren die Räder aus Metall“ die 14 Kilometer lange Strecke holprig, so Wüst. „Vermutlich hat er länger gebraucht.“ Die weiteren Entwicklungsschritte mit Gummireifen vollzogen sich dann in Frankreich und Großbritannien, die ersten industriell gefertigten Räder sein um 1900 in den USA gefertigt worden. „Seit 1890 ist das Fahrrad ausentwickelt, es gibt nichts mehr zu verbessern“, sagt Wüst.
Habibullah Rasuli  (Foto) bewegt sich unter dem Beifall seiner Mitschüler durch den Museumsraum.Habibullah auf Draisine
Habibullah saß schon immer gerne im Sattel: Früher, in seiner Jugend in Afghanistan, war er ein bekannter Buzkaschi-Reiter, ein Spiel, das dem Polo ähnlich ist und als afghanischer Nationalsport gilt. Vor wenigen Jahren, als die Taliban in seiner Heimatstadt wieder Gefolgsleute warben, darunter seinen besten Freund, sagte ihm sein Vater eines Tages. „Du kannst hier nicht bleiben, du musst gehen.“ Es folgte die Flucht über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Jetzt hat er seinen Hauptschulabschluss geschafft, im Mannheimer Technoseum sein Zeugnis erhalten und beginnt ab September eine Ausbildung als Altenpflegehelfer in Dettenhausen.
Der Höhepunkt des Ausflugs ist der Besuch der Eisdiele Fontanella: Dario Fontanella, 67, hat hier vor 50 Jahren das Spaghetti-Eis erfunden, und die 26 Schüler, begleitet von den Sozialarbeiterinnen Sandra Krause und Beate Legner, und den drei Lehrern Ingrid Schulz, Carmen Becker und Markus Geckeler, bekommen ein echtes Fontanella-Spaghetti-Eis. Unten Sahne, darauf ein Vanille-Eis durch eine Spätzlesmaschine gedrückt, darüber frische Erdbeersoße und Streusel aus weißer Schokolade. Obwohl Hauptbetriebszeit ist, inzwischen ist es 15 Uhr und „Unter den Planken“, Mannheims Flaniermeile voller Menschen, hat Desi Fontanella für die VAB-Klassen 30 Plätze reserviert. „Ehrlichkeit ist das Fundament von allem“, sagt Fontanella. Das Spaghetti-Eis zu erfinden, „das war ein Zufall“. Aber dass er mittlerweile 40 Mitarbeiter habe, die für ihn 380 verschiedene Eissorten herstellen, dass sei die Folge von „Intuition und Wissen“. „Die ganze Welt steckt in uns“, sagt Fontanella zu den Schülern, viele glauben, es sei schon alles erfunden. Das stimme nicht.  (Foto: Dario und Desi Fontanella inmitten der VAB-Schüler)
VAB mit Dario
Auch die Rückfahrt gestaltet sich kurzweilig: „Ala Kefak“ – mit geht es perfekt. Busfahrer Emanuel pflegt sein Arabisch, das er fünf Jahre in einer Maschinenfabrik in Israel von palästinensischen Arbeitern gelernt hat. Im hinteren Teil des Busses tanzt Habib Hussaini zu den Klängen aus dem Handy, verstärkt durch einen Plastikbecher. Gegen 19 Uhr endet der Ausflug am Tübinger Hauptbahnhof, die Schüler winken mit ihren Zeugnissen und verschwinden in der Unterführung – der Bus fährt weiter.
 
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